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Unsichtbare Wecker

Beängstigend, fast katastrophal sei der Anblick gewesen, damals in der kleinen Wohnung hier im Boxhagener Kiez, erzählt Andreas König: das Kinderbettchen direkt neben einem riesigen Aquarium, darunter und daneben nur Kabelsalat. Kein Wunder, daß das Kleinkind in unmittelbarer Nähe der elektromagnetischen Felder einen gestörten Schlaf hatte. Nicht auszudenken, was hätte passieren können, wenn das Wasser mit dem Strom in Berührung gekommen wäre …

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Für den 39jährigen Elektromeister gehören solche Erlebnisse zum Alltag. Werden er und seine Mitarbeiter doch immer öfter gerufen, wenn es darum geht, dem Elektrosmog, wie der Laie sagt, zu Leibe zu rücken. Schließlich wächst der unsichtbare Umweltschmutz proportional zur Zahl der Mikrowellen, Computer, Radiowecker, Handys, Schnurlostelefone, Dimmer und Energiesparlampen in den Haushalten. Und weil es angesichts vieler kleiner Sendemasten in den Wohnungen dieses steigende Bedürfnis nach einem gesunden Leben gibt, habe er eine Weiterbildung als Elektrobiologe absolviert, erklärt König. Daß es mehr als nur ein Job, sondern eine Lebenseinstellung ist, muß der Mann, der sich regelmäßig beim Fastenwandern regeneriert, nicht zusätzlich beweisen. Auch die kleine Zeremonie, mit der er seinen Kunden oder Gesprächspartnern chinesischen grünen Tee serviert, spricht für sich.Dabei ist es Zufall, daß König heute in dem Büro in der Seumestraße sitzt. Kam er doch 1990, mitten in der wilden Wendezeit, von Templin nach Berlin und wurde in dem kleinen Privatbetrieb von Meister Arno Reibsch als Elektroinstallateur eingestellt. Übrigens von dessen Frau und nach deren Horoskop. Die Sterne standen günstig. Reibsch hatte noch die Kommunale Wohnungsverwaltung (KWV) als Generalauftraggeber, kannte im Kiez jede Steckdose. Auch wenn das Firmenfahrzeug ein Handwagen war, fühlte sich  der Handwerker noch als King, nicht der Kunde. Und während die Welt wieder auf die Füße – oder auf den Kopf? – gestellt wurde, machte Andreas König auf der Abendschule seinen Elektromeister. 1999, als Reibsch sich zur Ruhe setzte, übernahm er die Firma – wegen Schüchternheit der Banken mit einem Privatdarlehen des Rentnerehepaares Reibsch.

Die enge Zusammenarbeit mit seiner Partnerin Maja Thies und der gemeinsamen Firma FELDFREI und damit die Erweiterung des Geschäftsfelds um Solartechnik und Elektrosmog-Vorsorge haben nichts mit Esoterik oder parapsychologischen Energieströmen zu tun. »Wir verteufeln nicht die Technik und bleiben Handwerker, können nur nach physikalischen Gesetzen handeln«, betont Andreas König und erklärt die Wirkung eines elektromagnetischen Feldes mit einer brennenden Kerze: Wenn man der Flamme zu nahe kommt, verbrennt man sich. Seine Firma könne zwar bei einer Schlafplatzuntersuchung schädliche Felder messen, Leitungen und Steckdosen abschirmen, Bio-Feldfreischalter installieren oder eine Hochfrenquenz-Abschirmtapete anbringen, aber wer an richtigen Schlafstörungen erkrankt sei, müsse schon einen Arzt aufsuchen, erläutert der Fachmann. Und fast nebenbei erwähnt er, daß seine Leute natürlich auch noch Elektroleitungen verlegen, Steckdosen reparieren oder Klingel- und Wechselsprech-Anlagen einbauen. Und wenn mal ein ganzer Sicherungskasten durchgeschmort ist, wird auch der erneuert.

Manfred Rebner

(c) Friedrichshainer Chronik | Rubrik Die Geschäfte | April 2007